Ist ein Vorrat an Jodtabletten sinnvoll?

Aus Angst vor nuklearen Bedrohnungen kommt immer wieder die Frage auf, ob die Beschaffung von Jodtabletten sinnvoll ist. Weshalb es jedoch keinen Grund gibt, Kaliumiodidtabletten zu horten oder gar prophylaktisch einzunehmen, erklärt Dr. Conrad Egloff.

«Zurzeit erreichen uns viele Anfragen von Kundinnen und Kunden, die sich einen Vorrat an Kaliumiodidtabletten anlegen möchten», sagt Dr. Conrad Egloff, Inhaber der Victoria Apotheke, «Wir raten Ihnen, aus verschiedenen Gründen, davon ab». Wie Kaliumiodidtabletten funktionieren, für welchen Fall sie gedacht sind und wann ihr Einsatz sogar schaden kann, haben wir für Sie zusammengefasst.

Was sind Kaliumiodidtabletten?

Auch bekannt als Jodtabletten, werden Kaliumiodidtabletten von den Behörden an alle Personen verteilt, die im Umkreis von 50 Kilometern eines Kernkraftwerks wohnen. Anders als herkömmliche Jodtabletten zur Nahrungsergänzung oder zur Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen sind diese Tabletten hochdosiert und dürfen nur im Fall eines Kernreaktorunfalls eingenommen werden.

Wie wirken Kaliumiodidtabletten?

Tritt bei einem Kernkraftwerk radioaktives Jod aus, kann dieses über die Luft, Wasser oder über die Nahrung in den Körper gelangen. Damit steigt die Gefahr, an Schilddrüsenkrebs zu erkranken. Um die Schilddrüse vor einer Belastung durch radioaktives Jod zu schützen, nimmt man 12 Stunden vor bis 5 Stunden nach Eintreten des Ereignisses hochdosiertes Jod ein. Dadurch ist die Schilddrüse gesättigt und nimmt kein weiteres (radioaktives) Jod mehr auf. 

Wann ist die Einnahme von Kaliumiodidtabletten sinnvoll?

Für die Wirksamkeit der Jodtabletten ist der Zeitpunkt der Einnahme sowie die Dosierung entscheidend. Deshalb liegt die Versorgungskompetenz bei den Kantonen, die im Ernstfall entsprechende Anweisungen herausgeben. Von einer prophylaktischen Einnahme ist dringend abzuraten, da eine Jod-Überdosierung die Schilddrüse nachhaltig schädigen kann. 

Wovor schützen Jodtabletten, und wovor nicht?

Jodtabletten schirmen bloss die Schilddrüse gegen radioaktives Jod ab, das bei einer Störung an einem Kernkraftwerk austreten kann. Sie vermögen aber nicht, den Körper vor direkter radioaktiver Strahlung zu schützen. Deshalb muss bei einem nuklearen Ernstfall, auf Anweisung der Behörden, ein Schutzraum aufgesucht werden. 

Wo kann man Jodtabletten beziehen?

Eine Packung Kaliumiodidtabletten kann in jeder Apotheke zum Preis von fünf Franken bezogen werden. Für alle Haushalte, die in der Nähe eines Kernkraftwerks liegen, stellt der Kanton Gutscheine für Kaliumiodidtabletten zu Verfügung. Diese können ebenfalls in der Apotheke eingelöst werden. 

Kein Grund für Hamsterkäufe

Da die Dosierung grosszügig berechnet ist, ist es ausreichend, eine Packung Kaliumiodidtabletten pro Person zuhause aufzubewahren. Private Hamsterkäufe sind wenig sinnvoll und können die Versorgung durch die Armeeapotheke im Ernstfall beeinträchtigen. «Bei Unsicherheiten zur Wirkung und Dosierung von Kaliumiodidtabletten beraten wir unsere Kund:innen gerne in unseren Apotheken», versichert Egloff, «wichtig ist, die Tabletten keinesfalls vorsorglich einzunehmen».

Warum Jod bei radioaktiver Strahlung?

Bei einem Reaktorunfall kann radioaktives Jod freigesetzt werden. Damit sich dieses nicht in der Schilddrüse absetzt, sollte zum richtigen Zeitpunkt «gutes» Jod in Form einer hochdosierten Tablette aufgenommen werden. So entsteht eine sogenannte Jodblockade.

Was sind die Nebenwirkungen von Jodtabletten?

Die Einnahme von Jodtabletten kann zu Hautausschlägen, Jucken und Brennen der Augen, Schnupfen, Reizhusten, Durchfall, Kopfschmerzen, Fieber oder ähnlichen Symptome führen. Jodtabletten dürfen nie ohne Absprache mit dem Hausarzt eingenommen werden.

Wann muss ich Jodtabletten einnehmen?

Tritt radioaktives Jod in die Umwelt aus, erhält die Bevölkerung im betroffenen Gebiet kostenlos Jodtabletten von den Schweizer Behörden. Die Information erfolgt über alle medialen Kanäle (Fernsehen, Radio, Internet, SMS).


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